Was
ist Landschaft?
Vortrag von Reinhold Messner
Reinhold Messner ist bekannt als Extrembergsteiger, Abenteurer
und Filmemacher. Er betreibt auch zwei Bio-Bauernhöfe in Südtirol
und sitzt für die italienischen Grünen im Europaparlament. Am 19.10.2002
hielt er in Ingenried (Allgäu) einen Vortrag zum Thema "Was ist Landschaft?".
Messner betonte, er sei nicht generell gegen Windkraft, sehr wohl aber gegen
Atomkraft. Er lobte den Vorstoß der deutschen Regierung, aus der Atomkraft
auszusteigen. Wirklich Sinn mache dieser Ausstieg aber erst, wenn er europaweit
durchgesezt werde. Die Notwendigkeit regenerativer Energiegewinnung und der
CO2-Verminderung sei unbestritten. Allerdings sehe er die Art und Weise, wie
Landschaften durch Windparks dauerhaft zerstört werden, sehr kritisch.
Zum Begriff der Nachhaltigkeit, der in Messners Worten einen großen Stellenwert
einnahm, gehöre für ihn auch der Erhalt unberührter Natur und
gewachsener Kulturlandschaft.
Im Sinne der Nachhaltigkeit sei es fragwürdig, das Landschaftsbild massiv
zu verändern und große Flächen durch Betonfundamente zu versiegeln.
Demgegenüber habe er starke Zweifel am Nutzen der Windenergie, insbesondere
im Binnenland.
Landschaft ist für Reinhold Messer, wie er im ersten Teil des Vortrags
ausführlich erläuterte, ein umfassender Begriff, der die Natur, die
dort lebenden Menschen und die kulturellen Veränderungen mit einschließt.
Menschen seien durch die Landschaft, in der sie aufgewachsen sind, ein Leben
lang geprägt. Er schilderte dies anschaulich am Beispiel seiner eigenen
Kindheit in Südtirol. Er bedaure den fehlenden Bezug junger Stadtbewohner
zur Natur. Vielen Menschen fehle das echte Naturerlebnis, das in den Ballungsräumen
durch künstlich angelegte Erlebnisparks ersetzt worden sei. Messner unterscheidet
unberührte Naturlandschaften, etwa im Hochgebirge, und gewachsene Kulturlandschaften
wie das Allgäu. Beides sei in hohem Maße schützenswert.
Jede Veränderung einer Landschaft ist für Reinhold Messner ein Eingriff, der gut überlegt sein will. Er forderte im Hinblick auf unsere Nachfahren eine Politik der Nachhaltigkeit, die den Erhalt der Landschaft mit einschließt. Groß-Windkraftanlagen seien noch viel zu wenig erprobt, um ihren langfristigen Nutzen für die Umwelt überhaupt beurteilen zu können. Daher sei es nicht sinnvoll, zum jetzigen Zeitpunkt nur auf der Basis von Machbarkeitsstudien unser Landschaftsbild durch den Bau von Windparks für viele Jahrzehnte zu schädigen.
Die Politik - und da schloß Messner seine eigenen Fraktionskollegen nicht aus - habe ihre Hoffnungen zu voreilig in die Energiegewinnung durch Windkraft gelegt. Betroffene Landwirte forderte er daher auf, nicht auf den kurzfristigen Profit zu setzen, sondern sich gegen die Zerstörung ihrer Heimat durch Windkraftanlagen zu wehren. Selbst wenn die Windkraftnutzung im Allgäu erfolgreich wäre, aber durch sie die Abwanderung der Menschen beginne, sei dies das Ende unserer Landschaft.
(Zusammenfassung: A. Beitinger).
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